2014 7-Gebirgsmarathon

Dezember 2014

geschrieben Dezember 2014

Oh mann, ich bin schon so lange aus dem Läuferleben raus, dass ich gar nicht mehr wusste, wie viele 7-Gebirgs-Marathons ich schon gelaufen hatte. Aber es waren zwei. Uff. Und wo genau war Aegidienberg noch gleich? Grübel. Alles so lange her. Als ich dann da war, kam mir dann doch wieder alles irgendwie vertraut vor: der Platz, die Halle: kenne ich. Wenigstens ein Gesicht, Jörg, kenne ich. Heute genau vor sechs Jahren war ich das letzte mal hier, am Sonntag den 14. Dezember. Heute bin ich wieder hier: unsicher.

Markus fehlt mir, er war sonst immer dabei. Und auch sonst: unsicher. Kann ich noch laufen? So wie früher? Wo war noch der Start? Was genau ziehe ich denn bei 3°C und Sonne so an? Fragen. Markus fehlt.

Den Start, ca. 400m von der Halle entfernt, finde ich, indem ich den anderen hinterher fahre. Ich bin spät dran; vor den Toiletten war eine riesen Schlange und ich muss noch mal ins Gebüsch. Ich fahre also mit dem Auto zum Start und laufe einen Km bis ich ganz alleine bin. Und zurück, ich komme zwei Minuten vor dem Start an. Ich treffe noch Dagmar und Georg, die mich auch noch erkennen. Lange her, Brocken-Challenge und so. Anderes Leben.

Los laufen. Dagmar und Georg wollen langsamer sein als ich laufen kann, meine Füße wollen schneller. Ich trabe also los, nehme "mein" Tempo auf. Und plötzlich ändert sich die Welt. Ich gleite durch die Tür in den Lauf und es gibt nur noch mich und den Weg und Wald. Mein Herz schlägt ruhig, mein Atem ist da, die Sonne scheint. Und ich laufe, nicht mehr und nicht weniger. Nur das zählt.

Jeder Kilometer ist ausgeschildert, aber ich schaue nur bei km 10 kurz auf die Uhr: eine 11:01, also fast genau eine Stunde Laufzeit. Manchmal wechsle ich ein paar Worte mit einem Mitläufer oder mache ein Bild. Leider hat die Kamera versagt und alle Bilder sind unscharf geworden. Da stellt die technische Panne die Realität besser da als es jedes Mega-Super-Pixel-Bild könnte. Denn ich laufe mehr in mir als außerhalb. Ich bin ganz bei mir und ganz in meinem Element. Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft.

Kilometer 20, 12:03 es läuft wie ein Uhrwerk. Ich komme in's Gespräch mit einem jungen Mann, der enorm sportlich wirkt. Viel fitter als ich. Er stellt sich als Tobias vor und erzählt von seinem Traum, seinen ersten "richtigen" Ultra im kommenden Frühjahr zu laufen. Ich finde mich in einer Rolle, ähnlich wie Bernhard Sesterheim es vor elf Jahren für mich war. Ich berichte von Brocken-Challenge, Stunt und UTMB, von Verzweiflung und Triumph. Es kommt halt nicht darauf an sein Leben um möglichst viele Jahre zu verlängern, sondern den Jahren, die man hat, möglichst viel Leben ein zu hauchen.

Bei Kilometer 30 bin ich nach drei Stunden und ein paar Gequetschten und Tobias bleibt ein wenig zurück, weil ich am Berg stärker marschieren kann. Aber auch für mich wird es langsam anstrengend. Ich fasse den Entschluss, noch bis km 35 hart am Ball zu bleiben und es danach lockerer an zu gehen. Aber bei Kilometer 35 geht es grade bergab, also bis 36 dran bleiben. Na ja, ab KM 37 wären es nur noch fünf Kilometer bis in's Ziel: meine Paradedisziplin. Und kaum bin ich bei 37 kommt Tobias wieder von hinten und wir setzen unser Gespräch bis fast in's Ziel fort. Auf den letzten 600m will er noch unter die 4:30 kommen und drückt ein bisschen mehr auf die Sohlen. Ich bleibe in meinem Tempo und komme auch mit 4:27 ganz entspannt an.

Dummerweise habe ich mein Geld und die Getränke-Bons, die ich heute morgen gekauft habe, im Auto gelassen. Und das Auto ist gefühlt ewig weit von hier entfernt. Aber ich frage freundlich und bekomme einen großen Becher Kaffee ohne Bon. DANKE. Ich verspreche, die beiden Bons zu hause zu vernichten.

So, zurück in der Realität. Der Weg zum Auto ist bretthart. Aua alles. Und kalt. Bei 3°C in durchgeschwitzten Klamotten. Brrrr. Scheiß Realität, irgendwie. Aber in zwei Wochen ist ja Eulenkopf......

Fazit: toller Lauf, wie immer. Und ich lebe! Wieder! Noch! Hurra!