2013 Leverkusener Winterlaufserie Teil III

geschrieben Dezember 2012

Irgendwann vor vielen Jahren habe ich mal gelesen, dass der Unterschied zwischen einem Läufer und einem Jogger die 10km unter 40min sind. Da will ich hin. Ich will endlich schneller werden! Ich will wenigstens auf die 5km unter 4min/km kommen, also unter 20min, so als erstes Ziel. An dieser Aufgabe arbeite ich jetzt seit fast zwei Jahren. Ich bin tatsächlich von 23min auf 21 gekommen, mit sporadischem Training, also etwa zwei mal pro Woche und sub 20 Wochenkilometern. Aber vor vier Wochen habe ich, um die Sache mal ernst zu nehmen, mit Intervall-Training begonnen.

Der Tipp dafür kam von einem User namens Rolli aus dem Runnersworld-Forum. Sein Plan für mich, war jede Woche einen 400m-Tag und einen 1000m-Tag (und natürlich einen längeren, ruhigeren Lauf):
1. Woche -> 10x400 in 96s & 5x1000m in 4:00
2. Woche -> 10x400 in 94s & 5x1000m in 3:55
3. Woche -> 10x400 in 92s & 6x1000m in 3:55 
4. Woche -> 10x400 in 92s & 6x1000m in 3:50
5. Woche -> 10x400 in 90s & 5x1000m in 3:50 mit weniger Pause
6. Woche -> 10x400 in 90s & 6x1000m in 3:50 mit noch weniger Pause

Den Scheiß habe ich jetzt drei mal gemacht, die erste 10x400 Einheit war einmal eine Katastrophe und einmal erträglich. Die erste 5x1000 war sehr schwer.

Heute ist der letzte Teil der Leverkusener Winterlauf-Serie und ich will endlich Fortschritte sehen. Wenigstens die 20:xx sollen heute drin sein, da die letzten beiden male immer 21:xx waren. Dummer weise war ich schon bei der Startaufstellung ziemlich spät und stand nur in der vierten oder fünften Reihe. Und als es dann los ging haben mich sofort noch mal etliche überholt. Ich habe sofort gemerkt, heute ist nicht mein Tag. Die langen Klamotten und die kalte Luft (es war knapp unter Null) haben mir vom ersten Schritt an zu schaffen gemacht. Bei Km 1 lag ich bestenfalls noch auf Platz 20, und das obwohl ich doch heute von den ersten zehn geträumt habe.

Den Neulandpark hinauf hat sich das Feld entzerrt, aber ich habe knapp hinter mir noch ein Läuferpaar gehört. Die haben sich tatsächlich Unterhalten! Zwar nur kurze Fetzen:" wir liegen gut in der Zeit" und "hinter der Kurve geht's wieder bergab". Aber ich war schon sauer, dass ich aus dem letzten Loch gepfiffen habe, während die anscheinend noch genug Luft zum plaudern hatten. Ich hätte heulen können. So viel Training und dann so langsam. Am liebsten wäre ich gegangen. Aber ich wollte wenigsten noch eine halbwegs passable Zeit für die Serie mit nehmen, wenn's mit der Bestzeit schon nicht klappt. Immer wieder habe ich mich ermahnt, mich nicht so hängen zu lassen, wenigstens noch zu kämpfen, nicht auf zu geben.

Ok, die Plauderer waren bald außer Hörweite und der Typ vor mir in Sicht: bei Km vier bin ich vorbei. Der Nächste schnauft auch schon: den kann ich kriegen. Allerdings hängt er sich sofort in meinen Windschatten. Mir tut alles weh und ich bin total demotiviert, weil ich heute so langsam bin, aber ich will ihn nicht wieder vorbei lassen. Also ziehe ich noch ein bisschen an und keuche dabei schon im Endstadium. Die Atemfrequenz ist jetzt ein Schritt ein-atmen, zwei Schritt aus-atmen und ehr verzweifeltes Saugen nach Sauerstoff als Atmen, wenn man's genau nimmt.

Da kommt der Zielbogen in Sicht. Ich weiß, dass meine Zeit viel zu langsam ist, es hat alles keinen Sinn, ich möchte gehen. Aber der Typ hinter mir gibt nicht auf, also laufe ich auch bis in's Ziel. Im Durchflitzen sehe ich aus den Augenwinkeln kurz auf die Uhr. Ich bin innerlich auf das Schlimmste vorbereitet. 20:18?!? Wusch, vorbei, keuch.

Ok, erst mal Luft holen, Trinken holen, Mantel anziehen. Jetzt zeigt die Uhr 22:xx. Mmhh, war ich jetzt doch sau-schnell ohne es zu merken? Oder habe ich mich verlesen? Was war das?

Ich gehe in die Kurt-Ries-Halle, wo es neben der Startnr. Ausgabe auch Kaffee, Kuchen und Sportsachen gibt und außerdem lecker nach frischen Waffeln duftet. Und ich warte geduldig auf die Resultate. Und dann kommen sie, und, oh Wunder: ich war so was von schnell, dass ich schnell war! Fast eine Minute schneller als im November auf der selben Strecke! Unglaublich!

Also: meine PB um 59sek verbessert, SO muss das sein! Dann Platz 10 in der Gesamtwertung: ok, gefreut. Sieger in meiner Altersklasse, jo, auch nicht schlecht. Und mal wieder schnellster Läufer ohne Verein, das macht mich schon ein bisschen stolz.

Fazit: ich werde die 5km < 20min diesen Sommer schaffen und mich dann an die 10km machen.

Endlich zahlt sich das Training aus!