2011 Susanne Alexi beim 48h-Stunden-Lauf in Köln

geschrieben Juni 2012



Es ist Donnerstag Nachmittag, ich sitze mit Kaffee auf der Terrasse, da klingelt mein Telefon. Susanne Alexi ist dran. Sie will ab morgen den 48h-Lauf hier in Köln mit machen und es wäre Regen angekündigt: ob ich eine richtig gute Regenjacke hätte? Ich frage nach, wer denn ihr Supporter wäre und sie gesteht, dass sie kein echtes Team dabei hat. TATAAAA, here we go! Gefühlte Sekunden später sind mein Neffe Elias und ich bereit! Yipeehe, es wird ein Super Wochenende! Das Susanne da was vom Wetter erwähnt hat, habe ich schon komplett verdrängt.

Freitag Mittag: Startzeit. Die Läuferinnen und Läufer stehen zusammen und erzählen sich was und wir sind ein bisschen dabei. Markus Flick kennt mich noch, aber ich bin jetzt doch schon zu lange aus der Laufszene raus, um noch dazu zu gehören. Egal, die werden mich dieses WE schon noch kennen lernen, und zwar von einer meiner besten Seiten!

 

Am Anfang läuft's immer



Zu meinen besten Seiten gehört, dass ich gerne Freude mache. Und besonders gerne supporte ich Susanne, wie wir bei der TorTour de Ruhr letztes Jahr gesehen haben. Da hatte ich allerdings nur alle fünf Kilometer das Vergnügen ihrer Gesellschaft: hier, auf dem Sportplatz, wird sie alle paar hundert meter vorbei kommen. Also muss ein anständiger VP her. Elias und ich bauen also Tisch und Stühle, Pavillon und sonst was auf. Abends, als es dämmerig wird, stecken wir noch ein paar Petroleum-Fackeln an und beleuchten das ganze auch noch zünftig. Zusammen mit den Transparenten mit ihrem Namen drauf vom letzten mal wird das ganze ein echter Premium-Support-Platz.
 

Elias und ich beschließen, dass wir beide uns mit den Nächten abwechseln: ich werde die erste Nacht von Freitag auf Samstag schlafen und ziehe mich mit meiner Freundin ins Zelt zurück. Einmal wachen wir auf, weil es etwas Regnet aber im großen und Ganzen haben wir eine prima Nacht, bis die Vögel uns wecken.

So schön kann ein Supporter-Zelt aussehen



Am Samstag Morgen liegt Susanne relativ weit hinten. Hauke, mit dem sie das Zelt teilt und mit dem sie gemeinsam gestartet ist, hat wegen Problemen aufgeben müssen und ist etwas enttäuscht von sich. Obwohl er versucht, Susanne zu motivieren, überträgt sich seine Stimmung natürlich auch auf sie und zieht sie runter. Immer wieder gibt sie von ihrer inneren Kraft an ihn ab, um ihn auf zu bauen. Ich als Fan habe damit große Schwierigkeiten. Für mich geht es hier um Susanne und ihren Lauf. Ich wünsche mir so sehr, dass sie durchhält und erlebe mit großer Sorge, dass sie tatsächlich ein Privat-Leben hat.

Ich mache sonst manchmal Witze über Fußball- oder Formel-1-Fans, die so ewig weit weg von ihren Idolen sind. Jetzt erlebe ich, dass das auch Vorteile hat, denn wenn ein entrückter Super-Star mal wegen Belangen außerhalb des Sports schlecht drauf ist, kann der gemeine Haus- und Hof-Fan einfach schimpfen. Ich bin hier in einer viel schweren Lage. Mein Fan-Herz möchte zu Susanne sagen: „vergiss alles außer diesem Lauf!“. Der Mann in mir kann sowieso keine anderen Männer auf der Welt leiden (außer meinen Sohn und meinen super-coolen Neffen), und schon gar keine gut aussehenden Sportler, die mein Idol grade vom Laufen ablenken. Und der Support in mir schaut mit Sorge zum sich immer weiter bewölkenden Himmel. Ach ja: Susanne hatte doch was von Regenjacken gesagt?

Um unser Zelt heute Abend noch schöner zu machen als gestern (man will sich ja steigern), wollten Elias und ich es besonders schick beleuchten. ABER der Veranstalter hatte da berechtigte Bedenken, dass sich jeder an seine Steckdosen anschließen und ihm nachher die Sicherung für die Zeitnahme raus hauen würde. Deshalb haben wir keinen Strom vom Sportplatz nehmen dürfen. Macht nichts: wir hatten über 100m Kabel dabei und sind in der nahe gelegenen Siedlung auf Suche nach Strom-Sponsoren gegangen – und fündig geworden! Die Schreinerei Elbracht hat uns erlaubt, das Kabel bei ihnen ein zu stecken. Wegen des angekündigten miesen Wetters, haben wir alle Verbindungen mehrfach gegen Nässe gesichert und die Leitung über durchs Gebüsch, über den Tennis-Platz bis zum Baum gegenüber unseres Pavillon-Zeltes gezogen. Als es dann dunkel wurde, hat Susannes Freude über das Licht an ihrem Platz für alle Mühe entschädigt!

Leider war das auch der buchstäblich einzige Lichtblick, denn es fing an zu tröpfeln. Dann fing es an zu regnen. Und in den nächsten 12 Stunden versank der Platz im Wasser. Die Fluten standen knöchel-tief auf der Bahn, die Wiese verwandelte sich in Matsch und Susannes Motivation erreichte einen neuen Tiefpunkt, als auch der letzte Mp3-Player in der Dauer-Dusche den Geist aufgab. Aber sie hat nicht aufgegeben! Runde für Runde für Runde für Runde für, äh, ja ich glaube jetzt hast Du's.

Sie lächelt auch in der harten Phase



In dieser Phase bin ich zu absoluter Hochform auf gelaufen, jetzt war ich wirklich glücklich! Die Nacht dauerte ewig, der Regen prasselte und Susanne war so erschöpft, dass ich ihr jedes mal, wenn sie am Zelt stehen blieb, die Laufrichtung neu erklären musste. Daneben habe ich noch die, in der Dunkelheit unsichtbaren, Zelt-Leinen neben der Laufbahn mit weißem Band markiert, damit die Läufer nicht darüber stolperten. Und Susannes Schuhe gewechselt. Und ihr immer wieder neuen Mut gemacht. Mit einem Wort: JETZT wurde ich gebraucht! Ein unglaublich gutes Gefühl, sich selber so müde, kalt, nass und fertig zu fühlen, aber für jemanden unverzichtbar zu sein. Vor allem für eine Susanne, die sich immer wieder, nach jeder einzelnen Runde, über meine Hilfe und Unterstützung freuen kann. Ich kann meinen Helferkomplex hemmungslos ausleben, gleichzeitig teil der Laufszene sein und im selben Augenblick als Fan mit meiner Lieblings-Sportlerin mit fiebern.

Es läuft wieder!



Ich kannte Susanne ja von der TorTour de Ruhr und wusste, dass sie mit dem ersten Morgenlicht wieder voll da sein würde. Deshalb habe ich ihr in den ganz toten Nachtstunden vorher 60min Schlaf verordnet. Als ich sie danach wieder geweckt habe, war ich im ersten Moment nicht ganz sicher, ob ich sie hätte länger schlafen lassen sollen (sie sah furchtbar müde aus), oder ob ich sie auf der Strecke hätte halten sollen (sie kam fast nicht auf die Beine). Aber als sie die erste halbe Bahn geschafft hatte, merkte auch ihr Körper, dass die Nacht jetzt vorbei war. Und Ja, sie war wieder voll da.

Jetzt lief „ES“ wieder. Susanne war mit jeder Stunde schneller, machte einen Kilometer nach dem anderen und drehte ihre schnellsten Runden. Sie war jetzt fast im 6min/km Tempo! Und der Regen hörte auf, die Sonne kam und der Sportplatz erstrahle frisch gewaschen. Da einige Konkurrentinnen während der Nacht länger geschlafen oder gar auf gegeben hatten, war sie jetzt auf der Rangliste ganz weit nach oben geklettert und das Ende der 48h war nah. Und tatsächlich war ich es, der im Ziel geheult hat, vor Freude!

Die Mühen haben sich gelohnt



Fazit: Ober geile Aktion! Danke, dass ich dabei sein durfte!