2007 Brocken-Marathon

   geschrieben Oktober 2007

Das Jahr lief nicht wirklich gut. Viel Training, mehr als sonst. Aber irgendwie bin ich immer langsamer geworden. Meine Befürchtung war also, auch am Brocken nicht die Leistung zu bringen. Die Erwartung war hoch: „ Jetzt will ich aber endlich wieder ein Erfolgserlebnis!“ aber die Hoffnung schwach: „ wird bestimmt wieder nix“.

Freitag Abend bin ich also mit meinen Kids abgefahren und im zähfließenden Verkehr über die Autobahn geschlichen. Die große WARUM-Frage war in meinem Kopf. Warum fahr ich so weit, hat doch alles keinen Sinn; dreh um und schlaf Dich erst mal aus…. Gegen Mitternacht haben wir in der Nähe des Starts unser kleines Zelt in einer Parklücke aufgebaut: erste Etappe bewältigt.

Samstagmorgen sind wir in die nahegelegene Jugendherberge zu Frühstücken gegangen und haben uns erst mal gestärkt: Kakao für die Kids, Kaffee für mich zzgl. jede Menge Brötchen. Danach habe ich mich umgezogen und wir sind zum Start gegangen. Der Harz-Gebirgslauf hat als echte Besonderheit eine sehr gut Kinderbetreuung, mit Hüpfburg, ein paar Hundewelpen und jede Menge Spiele, wo ich meine eigenen Welpen abgegeben habe.

Beim Abholen der Startunterlagen bin ich dann noch Markus Ohlef begegnet, dem Organisator der Brocken-Challenge. Natürlich habe ich mich gleich mündlich für’s kommende Jahr angemeldet

Los geht’s. Die Strecke ist vom ersten Meter an leicht ansteigend. Nicht steil genug um zu gehen, aber steil genug um mächtig an zu strengen. Obwohl es am Start wirklich kühl war, ich vermute mal so um die fünf Grad, bin ich in Shorts gestartet. Ab Km drei höre ich auf zu frieren und schon bei Km fünf habe ich wieder genug Gefühl in den Händen, um ein Foto zu machen.
 

bei Km fünf

Hinter der ersten Verpflegungsstelle geht es das wunderschöne Ilse-Tal hinauf. Der Weg bleibt leicht zu laufen, der Brocken-Marathon findet nur auf breiten, gut befestigten Forstwegen statt, und der Himmel klart sich zu einem herrlichen Blau auf. Das wird ein wunderbarer Tag! Etwa bei Km 12 könnte man einen kurzen Blick auf den Brockengipfel erhaschen, aber die höchste Kuppe liegt in einer der letzten Wolken, so daß ich mich noch ein Wenig gedulden muss, um sie zu sehen.

Bei meinem ersten Brocken-Marathon vor zwei Jahren, habe ich einen großen Fehler gemacht. Ich hatte geglaubt, den Lauf mit dem Gipfel in der Tasche zu haben. Damals war meine Taktik, 19 Km hart bergauf laufen und dann bergab einfach nach hause rollen lassen. Die Rechnung ging allerdings überhaupt nicht auf, da meine Muskeln vom Anstieg so ermüdet waren, daß sie die Stöße beim Abstieg nicht mehr abfedern konnten. Und so ist jeder Schritt bergab direkt in die Knochen gegangen und ich hatte furchtbare Knieschmerzen. Es hat quasi im Skelett gerappelt, anstatt zu rollen. Dieses Jahr wollte ich das besser machen, und habe mich bergauf etwas zurück genommen.

Beim Einbiegen auf den Betonweg zum Gipfel bin ich also sofort gegangen. Außerdem habe ich einen meiner Riegel raus geholt und mich gemütlich nach oben gefuttert. Und endlich lag er vor mir: der Brocken-Gipfel!



die letzten Meter vor dem Gipfel

Ich bin zwar inzwischen schweißnass, aber der Anblick der Wolke dort oben lässt auf Kühlung hoffen. Tatsächlich ist es innerhalb der Gipfelwolke eiskalt. Der Wind pfeift und ich überlege ernsthaft, mir die Jacke über zu ziehen. Ich beschließe, damit bis zur Verpflegungsstelle hinter dem Gipfel zu warten. Kaum sind wir aber aus der Wolke raus und ein paar Höhenmeter abgestiegen, verwerfe ich den Gedanken an die Jacke: jetzt geht’s bergab, in die warmen Wälder, nach hause. Das Stück vom Gipfel bis über die Schienen der Brockenbahn ist das selbe wie bei der Brocken-Challenge. Ja, hier bin ich schon zwei mal bei Nacht und Eis und Schnee rauf getrabt. Ich sehe den Brocken-Bahnhof und spüre wieder die jähe Freude, die jedes mal in mir hochsteigt, wenn ich hier ankomme. Bei der Challenge bedeuten die Lichter des Bahnhof nach Stunden der Nacht endlich das Ziel. Jetzt liegt alles im schönsten Sonnenschein, und es fällt schwer sich vor zu stellen, wie es in vier Monaten hier sein wird.

Runter, runter, immer schneller. Die, einzeln und gut lesbar ausgeschilderten, Km fliegen förmlich vorbei. Und diesmal bin ich auch nicht so alleine wie vor zwei Jahren. Das leicht wellige Profil mach mir riesig Spaß; Bänder, Sehnen, Muskeln und Gelenke sind fitt und alles LÄUFT bestens! So habe ich mir das gewünscht. Ich habe keine Uhr, daher kann ich keine Zielzeit berechnen, aber ich weiß, daß ich schnell bin. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Anstiege, manche flach, manche zum Gehen, alle machen Spaß. An jeder Verpflegungsstelle trinke ich herrlichen laufwarmen Tee oder Iso-zeug, alles Lecker und immer in ausreichender Menge vorhanden. Essen tue ich nicht, mein Organismus ist zu 100% auf Riegel geeicht. Ok, der Riegel oben am Gipfel war mal wieder steinhart vor Kälte, aber je tiefer ich runter komme, desto weicher werden sie.

Die letzten fünf Km werden hier rückwärts gezählt und sobald ich das Schild mit der „5“ drauf sehe, nehme ich endgültig den Fuß von der Bremse. Jetzt weiß ich: die Kraft wird reichen. Ich sammele alles ein, was vor mir läuft, einen nach dem Anderen. Grade die Km, die vor zwei Jahren nicht enden wollten und am meisten weh getan haben, machen heuer am meisten Spaß. Ich bin ein Renn-Tier und meine Beine machen wie von selber noch einen richtigen Spurt über die letzten paar 100 Meter. Whow, wenn ich im Flachen so laufen könnte!

Im Ziel vergesse ich vor lauter Begeisterung glatt auf die Uhr zu schauen, aber es sind 4:31h, also fast eine Stunde schneller als vor zwei Jahren. Da hat sich das mehr an Training ja doch endlich ausgezahlt. Nicht mal so sehr in der, für meine Verhältnisse, sehr guten Zeit, sondern vor allem in dem Spaß den ich TROTZ der guten Zeit hatte!

Fazit: Das erste mal in diesem Jahr, das ein Lauf so richtig „rund“ war, und ich alle meine Erwartungen an mich voll erfüllen konnte. Dazu die super sympathische Kinderbetreuung, die schöne Landschaft und die klasse Orga! YES!