2008 Der 27. Januar 2008, oder ein super Trainings-50er

   geschrieben Januar 2008

Sonntag morgen, 8:00 Uhr an einem einsamen Parkplatz in Ennepetal. Es ist Ende Januar, so um die fünf Grad über dem Gefrierpunkt und wird bald hell werden. Kaum habe ich mein Auto geparkt, kommen auch schon ein paar andere Verrückte, die der Einladung von Markus zum heutigen 50k-Lauf, dem sog. Yours-Truly, gefolgt sind. Ich ziehe mich schnell um, schnalle den Trinkrucksack auf und schon geht's los.

Start im Dunkeln


Das hier ist ein Einladungslauf, also eine kleine Privatveranstaltung. Markus hat geschrieben, daß wir heute in der Gruppe laufen, die geplante Zeit sechs Stunden für die 50km ist, zwei verschiedene Runden a 25km gelaufen werden und das Höhenprofil heftig ist (ges. 1600Hm). Ich musste ein wenig überlegen, ob ich da wirklich mitmachen soll, schließlich bin ich nicht soo der Laufheld. Diese 50k in sechs Stunden? Mmmm, ich will ja niemanden aufhalten, mein zweiter Vorname ist "Besenwagenbremser". Aber schließlich habe ich mich doch durch gerungen hier an zu treten, denn Markus hat in der Einladung versprochen: "..es wird niemand unbeaufsichtigt sterben.."

Vom Start weg geht's steil bergauf und schon werden meine Befürchtungen bestätigt: die laufen alle den Hang rauf, wo ich normalerweise gehen würde! Glücklicherweise ist bin ich nicht alleine hinten, denn Tom geht's heute nicht so gut. Außerdem laufe ich einfach ein bisschen härter, als ich es sonst auf 50km tun würde. Ich überlege mir einfach, die erste Runde tapfer mit den anderen mit zu halten und danach gegebenenfalls auszusteigen. Grade rechtzeitig kommt die erste Verpflegungsstelle: das Haus eines der beiden Väter dieses Laufes.


Frühsport im Wald


Die Strecke ist herrlich, genau nach meinem Geschmack: gut profiliert, immer auf kleinen Waldpfaden und Feldwegen abseits der Dörfer und überall Schlamm. Bei solchen Wegen könnte man immer meinen, Deutschland sei ein totales Agrarland. Nach ziemlich genau drei Stunden sind wir wieder am Parkplatz. Da hier das Auto steht, kann ich mir schnell mal trockene Klamotten anziehen und ein bisschen Verpflegung nach legen. Außerdem befülle ich den Rucksack neu.

Die Gruppe startet dann mit neuer Besetzung, da z.B. Tom aussteigt. Dafür kommen ein paar Neue Läufer dazu, die nur die 25km laufen möchten. Und wie das bei frischen Pferden so üblich ist, ziehen sie vom Start weg wieder mächtig an: schon wieder geht's diesen Berg im Laufschritt hoch. Verdammt, der wird ja mit jeder Runde steiler! Ich bin jetzt schon froh, daß es heute bei zwei Runden bleibt, denn in dem Tempo könnte ich kaum weiter laufen.


So sieht ein perfekter Tag aus


Diese zweite Runde ist vom Gefühl her noch deutlich stärker profiliert als die erste, genau genommen sind eigentlich ALLE Berge jetzt ziemlich steil und ziemlich lang. Obwohl mir Markus versichert, daß beide Runden auf dem Papier ähnlich viele Höhenmeter haben, kommen mir die Steigungen jetzt echt schwer vor. Immer wieder müssen wir über umgestürzte Bäume steigen: die Spuren von Kyrill, dem schweren Orkan im Dezember 2006. Einmal verlaufen wir uns um gut 1,5km. Natürlich laufen wir an der falschen Stelle bergab und müssen steil wieder hoch. An einer besonders ausgesetzten Stelle ist ein Denkmal errichtet, der so genannte Hohe Stein. Etwas später ist an einer kleinen Kreuzung eine Verpflegungsstelle mit heißem Tee und Müsli-Riegeln eingerichtet.


Am Hohen Stein


Im Gespräch mit den Anderen kann ich z.B. Markus zu seinem Gesamtsieg bei einem 100km-Bahnlauf vor zwei Monaten gratulieren und erfahre einiges über die Trainingsumfänge, die so gelaufen werden. Ich finde mich dabei im Unteren drittel, aber nicht so weit hinten, wie es meine momentane Laufposition vermuten lassen würde. Glücklicherweise bleibt die Gruppe in der Nähe. Da Markus, der den Weg kennt, bei mir hinten läuft, haben die anderen auch keine wirkliche Alternative dazu :-) Ein weiterer Läufer komplettiert die Nachhut, auch ihm werden die letzten Km recht schwer. Endlich, nach 6:44 Stunden sind wir zum zweiten mal am Parkplatz. Wenn man die Pause zwischen den zwei Runden (ca. 15min) und den Verläufer (auch ca. 15min) abzieht, haben wir die geplante Zeit doch ganz gut getroffen.

Neben der ganz besonders schönen Route kommt jetzt das zweite Highlight des Tages: der Parkplatz ist der Parkplatz eines Schwimmbades MIT SAUNA! Absolut perfekt und ganz genau richtig. Als letzter Härtetest muss ich noch in Badehose von der Dusche bis zur Sauna, wobei es mir im Bad wie in Sibirien vorkommt. Zitternd erreiche ich endlich die Tür: aaahhhhh, herrlich. Ich bette mich auf mein Badetuch und sinke in mich zusammen. Kurz darauf stört mich ein deutliches Schnarchen, und ich brauche tatsächlich ein paar Sekunden bis ich begreife, daß ich es bin, der da so schnarcht! In der Sauna eingepennt, hat man so was schon erlebt.

Fazit: danke an Markus und Andreas für diesen wunderbaren Tag!


Die Finisher!