2008 Brocken-Challenge

   geschrieben Februar 2008

War das ein Hattrick? Meine dritte Brocken-Challenge. Drei mal in Folge gestartet, drei mal gefinished und jedesmal schneller: das ist eine saubere Serie! Oder auch nicht, denn der Lauf dieses Jahr war kein Winterlauf durch knietiefen Schnee wie 2006. Es gab auch keinen Schneeregen oder Eisgraupel wie 2007. Dieses Jahr war es Anfang Februar schon Frühling, warm, sonnig und trocken. Die Vögel haben gezwitschert und die Fernsicht war gigantisch! Wenn sich das Wetter weiter so wandelt, ist der Brocken in fünf Jahren Norddeutschlands höchste Düne!

Daß es sonnig werden würde, hatten die Wetterfrösche schon seit Tagen angekündigt, denn es herrschte stabiler Hochdruck. Beim Start morgens um 6:00 war es allerdings noch dunkel. Diesmal war ich alleine, ohne meine Freunde, auf der Strecke. Markus Weißberg hatte den Arm in Gips und Markus Hinz war nach monatelangem Siechtum durch Shinsplint nicht fit genug für die 82km. Aber immerhin war er am Start dabei, so daß ich bis zuletzt den dicken Pulli anbehalten habe. Denn es war ein paar Grad unter Null, wenn auch völlig Windstill. Die ersten Kilometer hatten die Organisatoren wieder Fackeln an die Strecke gesteckt: ein sehr romantischer Anblick im Dunkeln!

In den anderen Jahren war es Nebelig und trübe und wurde mit der aufgehenden Sonne einfach nur hellgrau und trübe. Dieses Jahr gab's einen ganz fantastischen Sonnenaufgang mit aller Farbenpracht, die der Himmel nur aufbieten konnte. Die Wiesen waren leicht überreift, die wenigen Pfützen überfroren und der Himmel einfach perfekt. Als wir aus dem Wald kamen und diesen Himmel gesehen haben, ist glaube ich jeder, der eine Kamera dabei hatte, stehen geblieben um das zu photographieren.
 

Sonnenaufgang bei Km15


Am Anfang bin ich mit Bill gelaufen, bis mich dann hinter der Rhumequelle eine Dreiergruppe um Alexander (Greenrunner) überholt hat. Ich hab' versucht "dran" zu bleiben, musste das aber am ersten Berg schon aufgeben, so daß damit dann alleine auf der Strecke war. Um mich bei Laune zu halten, habe ich also meinen MP3-Player aufgesetzt, immerhin waren schon fast 40 km gelaufen. Aber irgendwie war der Wald so hell und freundlich, die Vögel fröhlich und alles so klasse, daß ich die Musik ein paar Km später wieder ausgemacht habe. Der Tag war wirklich über die Maßen schön. Ehr Ostermarsch als Winterlauf, aber wunderschön. Vor allem, weil dieses Mal die Aussicht auf die schönen Harzberge so richtig zu genießen war.



Blick auf den Harz, kurz vor Marathon


Nach Landolfshausen, Seeburg und Rhumspringe war Markus auch in Barbis (Km46, 11:00Uhr) und hat sich am Verpflegungspunkt nützlich gemacht, wo ich ihn dann jedesmal getroffen habe. Da mir ob des herrlichen Wetters schon der Schweiß runter lief, habe ich ihm meine Laufjacke gegeben, bevor ich von dort wieder aufgebrochen bin. Wir hatten verabredet, daß er mich bei Km 66 am Parkplatz Lausebuche wieder treffen würde. Allerdings gingen die nun folgenden Kilometer nach ein paar Kilometern hinunter in's Steinatal, ein recht enges und bewaldetes Tal. Dort drin lagen tatsächlich noch ein paar vereinzelte Schneeflecken und der Raureif des Morgens war noch lange nicht vertrieben. Auch die letzten Pfützen waren alle noch gefroren. Das Steinatal ist ein so genannter Entsafter. Ein ganz leichter Anstieg, anfangs kaum spürbar, zieht sich über einige Kilometer das Tal hinauf bis zur Jagdkopfhütte. 2006 bin ich hier durch den Schnee gestapft, an laufen war nicht zu denken. Letztes Jahr habe ich lange mit der Steigung gerungen, bevor ich in den Wanderschritt gefallen bin. Dies mal habe ich, trotz der Kälte und der guten Bodenverhältnisse, von Anfang an marschiert. Denn die Steigung nimmt mit jedem Kilometer ein ganz kleines Bißchen zu. Wer hier zu lange den Helden gibt, bereut es noch 30Km weit. Daß ich hier konsequent einen Wandertag veranstaltet habe, hat manche erstaunt, die locker trabend (oder schwer keuchend) an mir vorbei gezogen sind. Zu meiner Genugtuung habe ich glaube ich alle, die mich hier überholt haben, noch vor dem Gipfel wieder eingesammelt :-)))



An der Jagdkopfhütte


Ab der Jagtkopfhütte, wo wieder die Pferde standen, bin ich dann wieder locker getrabt. Für mich ist das fast der schönste Teil der Strecke: leicht wellig, hoch über dem Oder-Stausee, und immer durch den Wald. Das tiefe Tal, in das ich 2006 aus versehen abgestiegen bin, vermeide ich grinsend: so leicht lässt sich die PB auf einer Strecke um 30min verbessern. Ab der Jagtkopfhütte sind, auch wenn man die Strecke nicht kennt, eigentlich keine Brocken-Challenge-Markierungen mehr nötig, denn man muss nur noch den Wanderschildern folgen: Lausebuche, Königskrug, Oderbrück, Brocken. Und so wie die Schilder mit den Km-Angeben zum nächsten Punkt kamen, so ging auch die Strecke für mich weiter.



Unterwegs bei Km 60


Punkt 14:00 erreiche ich den Parkplatz Lausebuche und Markus. Ab hier muss ich jetzt den Rucksack mit den Wechsel-Klamotten für den Gipfel schleppen. Das Orga-Team bietet zwar den Transport zum Brocken gratis an, aber nur für Kleidersäcke, die am Freitagabend abgegeben werden. Da Markus und ich uns die Vorbesprechung geschenkt haben; schließlich ist da ja meine dritte Teilnahme, muss ich meinen Plunder jetzt eben selber tragen. So ein Laufrucksack mit Duschgel, Deo, Handtuch und trockenen Sachen ist im ersten Moment doch schwerer als ich heute morgen gedacht hatte. Hat mir da jemand heimlich ein paar Steine reingepackt? Markus läuft die ersten 100m mit mir zusammen und wir tauschen uns über den bisherigen Verlauf des Tages aus, bis er warm geworden ist. Just in dem Moment überholt mich mal wieder die Gruppe um Greenrunner und Markus hängt sich dran, während ich zurück falle.



Unterwegs bei Km 70


Am Königskrug reibe ich mir mit Erstaunen meine Äuglein: da, ganz in der Ferne, sehe ich den Brocken-Gipfel! Ist das zu glauben! In den letzten Jahren wurde es an dieser Stelle schon dunkel, es herrschte Nieselregen bzw. Schneetreiben und die Sicht war unter 50 Meter. Und jetzt das! Voller Begeisterung mache ich ein Beweisphoto. Weiter geht's in Richtung Oderbrück, ein breiter gut ausgebauter Wanderweg, der allerdings mit ziemlich glattem und vereistem Schnee überzogen ist. Das ist sehr mühsam zu laufen und kostet mich etwas Zeit. Bald jedoch wird es einfacher, als der Weg wieder schmaler und weniger Begangen ist. Eigentlich ist der Weg hier noch fast gar nicht begangen, es sind nur wenige Fußspuren vor mir hier durchgekommen. Außerdem wird der vom Schmelzwasser feuchte Weg, der sich durch den Wald windet, so langsam zum Bach. Irgendwie kam mir das in den vergangenen Jahren hier ganz anders vor. Nur langsam setzt sich bei mir die Erkenntnis durch, ich könnte evtl. auf dem falschen Bach, äh: Weg sein. Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß die Richtung stimmt. Leicht bergab bis zu einer großen Straße, an der Oderbrück liegt. Also folge ich dem Bachlauf, bis ich an einer Stelle, wo der Wald weniger dicht ist, einen Blick nach links erhasche und sehe, daß der Weg nur gut 20meter von mir entfernt parallel läuft:-)) Einmal quer rüber und schon liegt die große Wiese, wo wir letzte Jahr die nassen Füße bekommen haben, vor mir.



Ein erster Blick auf den Brocken vom Königskrug


Dort steht dann auch die Greenrunner-Gruppe, aber ohne Markus. Ich überlege kurz, ob er sich vielleicht noch schlimmer als ich verlaufen haben könnte, aber der Mann ist Landvermessungsspezialist und verläuft sich ehr seltener. Zur Sicherheit frage ich kurz nach und erfahre, daß Markus schon lange davon gezogen ist. Klar: frische Pferde ziehen halt besser :-)) Ich für mein Teil bleibe jetzt bei den Anderen und wir freuen uns gemeinsam über das herrliche Wetter, das jetzt am späten Nachmittag noch mal so richtig aufblüht.



Unterwegs bei Km 75


Uns kommen sehr viele Touristen entgegen, die den Brocken jetzt verlassen. Anscheinend haben manche von denen voraus laufende Brocken-Challenger nach diesem Event befragt, denn wir werden regelrecht angefeuert und von vielen beglückwünscht. Auch der steile Hang zu den Gleisen der Brockenbahn hinauf ist heute viel kürzer als in den voran gegangenen Jahren: die Sonne scheint, der Schnee ist relativ leicht zu laufen und vor allem kann ich schon von unten das Ende sehen. Ruck Zuck sind wir an der Bahnstrecke. In der geschlossenen Vierer-Gruppe komme ich mir fast selber wie ein Zug vor, während wir zwischen den Gleisen laufen. Wir holen sogar noch ein paar versprengte Läufer ein, bevor wir die Brocken-Straße erreichen.



Gipfelsturm


Was für ein Gefühl. Der Brocken-Gipfel! Es ist strahlender Tag, alles voller Touris, 16:35Uhr und noch Topfit. Im Ernst, obwohl ich dieses Jahr deutlich schneller war, als in den Vorjahren, bin ich noch deutlich fitter. Bei der obligatorischen Photo-Session am Brockenstein bin ich derjenige der bereitwillig in die Hocke geht, es tut noch nicht mal besonders weh.



Oben am Brockenstein


Und jetzt zurück zur Eingangsfrage: War das jetzt ein Hattrick? Drei mal die selbe Strecke zur gleichen Jahreszeit. Und trotzdem war es dieses Jahr was ganz Anderes! Wie gesagt, wenn das so weiter geht, dann ist der Brocken bald Norddeutschlands höchste Düne. Oder die letzte verbleibende Friesische Insel...