2008 Rheinsteig V - von St. Goarshausen bis Assmannshausen

   geschrieben Juli 2008

Als ich zu um kurz nach fünf Uhr morgens aus dem Haus trete regnet es. Dabei war doch schönes Wetter angesagt! Vor lauter Überraschung finde ich meine leichte Regenjacke nicht und beschließe, daß es dafür sowieso viel zu warm wäre. Also ziehe ich mir für die Anreise schnell einen Müllsack über und los geht's. Drei Km lockeres Traben bis zur S-Bahn, Köln-Hauptbahnhof, Koblenz und dann wieder die Bimmelbahn, die am östlichen Rheinufer entlang fährt und an jedem Kaff anhält. Diesmal bleibe ich in Braubach sitzen und steige erst in St.Goarshausen aus, wo ich vor vier Woche aufgehört habe.
 

Burg Katz von "hinten"


Inzwischen scheint die Sonne und der Tag verspricht herrlich zu werden. Direkt vom Bahnhof weg führt der Weg steil nach oben zum sog. Drei-Burgen-Blick, eine kleine Aussichtskanzel von der aus man auf die Burgen Maus, Rheinfels und Katz blicken kann. Nachdem ich diesen Ausblick gebührend bewundert habe, darf ich wieder bis auf Fluss-Niveau runter laufen, um auf der anderen Talseite hinter der Burg Katz wieder hoch zu schnaufen.



Beweisphoto: ich bin auf der Loreley


Leicht wellig geht's dann weiter bis zur Loreley. Oben ist es denkbar unromantisch, um nicht zu sagen: enttäuschend. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber ein Restaurant im 70er-Jahre-Stil und eine große Gruppe asiatischer Touristen war es jedenfalls nicht. Die ausländischen Gäste sind jedenfalls sehr freundlich und machen mit meiner Kamera ein paar Bilder von mir. Irgendwie war diese Loreley in meinem Kopf immer der Höhepunkt des Rheinsteigs, so zu sagen der Zentrale Punkt auf den alles zuläuft. Jetzt ist es noch früher Morgen, ich bin am Start einer langen Tagestour und kann das "Ich-hab's-geschafft-und-bin-am-Ziel-Gefühl" nicht spüren. Also einfach weiter.



Der Urheber dieses Schattens bekommt grade einen Sonnenbrand


Nach ein paar Km und Tälern kommt ein Stück Weg in der prallen Sonne: das Dorf dort heißt passender weise "Dörrscheid" und ich fühle mich auch ziemlich ausgedörrt. Also lasse ich mich dort in einem Biergarten nieder, trinke eine Apfelschorle und fülle meinen Trinkrucksack wieder auf. Ein paar Wanderer, die von Süden her Richtung Loreley wandern, berichten mir, daß der Weg bis Kaup jetzt relativ leicht und überwiegend abschüssig verläuft. Tatsächlich wird es jetzt wesentlich leichter und die Schönburg und Burg Stahleck ziehen auf der gegenüberliegenden Rheinseite vorbei.



Pfalzgrafenstein bei Kaup


In Lorch ist mein Trinkrucksack schon wieder leer, allerdings finde ich hier kein Restaurant etc. am Wegesrand. Daher gehe ich ein ganzes Stück am Ufer entlang bis zum Fähranleger, wo ich in einem netten Kiosk Kaffee-Pause mache. Seit dem Start sind sieben Stunden, 37km und gut 1300Hm vergangen und ich habe einen Sonnenbrand bekommen. Es ist doch immer wieder seltsam, wie lang die Kilometer auf dem Rheinsteig sind. Bei anderen schweren Wettläufen in diesem Jahr war ich immer wesentlich schneller (Rengsdorf: 50km, 1500HM => Tempo 6:30 min/km / Hollenlauf, 100km, 2200Hm => Tempo 7:30 min/km) Aber auf dem Rheinsteig komme ich selten unter 10:00 min/km. Entweder vermessen die ihre Strecke wirklich anders, oder ich habe nicht nur einen Schwäche FüR den Rheinsteig sondern auch AUF ihm :-) Heuer bin ich so weit, daß ich die freundlich Dame frage, ob denn Lorch einen Bahnhof hat, von wo ich nach hause fahren könnte. Ja, sagt sie, und der nächste Zug fährt in genau 12 Min ab. Allerdings steht vor mir noch ein halbes Stück leckerer Kirschstreusel und der Bahnhof ist über einen Km weit weg: ich müsste mich also ganz schön hetzen. Nein, dann lieber in Ruhe weiter machen wie geplant.



immer wieder stehen die Km angeschrieben


Von Lorch aus geht's erst mal etwas hoch, aber dann, für Rheinsteig-Verhaeltnisse, ziemlich flach weiter. Das Profil ist hier nur leicht wellig und ich komme plötzlich ganz locker voran, kann die meisten Steigungen und alle Gefälle laufen und schaffe die 14km bis Assmannshausen im 6er-Schnitt! Kein Wunder bei nicht mal 300Höhenmetern. Eigentlich wollte ich ja bis ins drei Km entfernte Rüdesheim laufen, dort ist allerdings der Bahnhof relativ weit vom Rheinsteig entfernt, weshalb ich beschließe ist für heute hier zu beenden. Insgesamt habe ich für die offiziellen 50km und 1600Hm (zzgl. drei Kaffee, eine Apfelschorle und zwei Stück Kirschstreusel) etwa neun Stunden gebraucht.



Fast flach durch den Wald


Die Heimfahrt zieht sich inzwischen schon ziemlich lang hin. Ich denke an die erste Etappe, wo ich mit Markus von Linz aus nach Hause gefahren bin, und nicht mal eine Stunde gebraucht habe! Jetzt bin ich schon über drei Stunden unterwegs: (Assmannshausen -> Rüdesheim -> Koblenz -> Köln Hbf -> S-Bahn nach Hause). Wie beim letzten mal kaufe ich mir in der Bahnhofshalle in Koblenz eine Flasche Johannisbeersaft beim Obsthändler, bevor ich mich wieder in den Zug nach Köln setzte.

Fazit: ein toller Tag, ein tolles Training, ein kräftiger Sonnenbrand