2008 Rund um Ennepetal bei Nacht

   geschrieben August 2008

Markus hatte vor einiger Zeit die Idee, den Wanderweg rund um Ennepetal einmal bei Nacht zu laufen und ich war nicht wenig stolz, daß auch ich dazu eingeladen war. Außer mir kamen noch vierzehn weitere Läufer und zwei Läuferinnen der Einladung nach, so daß wir um 21:00 gemeinsam zu der ca. 60km langen Runde aufbrachen.

Der Lauf war als gemeinsame Runde in der Gruppe ohne jeden Wettkampf-Charakter ausgelegt; wir würden also die ganze Nacht zusammen bleiben. Angesichts der Gruppengröße hatte ich anfänglich etwas Bedenken, denn seit meinem letzten City-Marathon vor zwei Jahren, bin ich nicht mehr in einem solchen Pulk gelaufen. Ob das gut gehen würde? Bald wurde es dunkel und wir machten kurz Pause, um die Stirnlampen aus den Rucksäcken zu holen. Bis dahin waren jedenfalls noch alle da.

Die Nacht verging wie im Fluge mit angenehmen Plaudereien und herrlichen Km. Da ich weder für die Streckenführung noch für sonst irgend etwas verantwortlich war, habe ich einfach das „Hinterhertraben“ genossen, einfach Rudelmitglied sein ist so wunderbar bequem! Kein Vergleich zu meinen Rheinsteig-Läufen, wo ich entweder ganz auf mich allein gestellt bin, oder sogar den Initiator und Leithammel gebe. Und auch noch wesentlich leichter als zum Beispiel der Hollenlauf, wo ich zwar nichts organisieren musste aber doch während des Laufes die Augen auf die Streckenmarkierung halten musste. Bei diesem Gruppenlauf war ich wirklich einfach nur total passiver Mitläufer und bin immer dem Rücken vor mir hinterher getappt.

So etwa bei Km 20 kamen wir über einen Bahnhofsparkplatz, wo Markus sein Auto geparkt hatte. Der Kofferraum war voll mit leckern Sachen wie Riegeln, Wasser, Cola, Bananen, etc, so daß wir uns in Ruhe laben und die Flaschen wieder füllen konnten. Einer aus der Gruppe ist hier aus gestiegen und hat für den Weg zurück zum Start beim Haus von Markus dessen Auto genommen, nachdem wir die Pause fertig hatten.

Die nächste größere Pause haben wir dann nach rund 40km gegen vier beim Haus von Andreas, der diesen Event gemeinsam mit Markus auf die Beine gestellt hat, gemacht. Das war nicht nur eine Pause: das war ein Fest! Auf der Terrasse hinter seinem Haus waren Tische und Bänke aufgebaut und seine Frau stand dort und versorgte uns mit allem, was zu einer morgendlichen Gartenparty dazu gehört, incl. Kaffee! An dieser Stelle noch mal ganz herzlichen Dank an diesen umwerfenden Service!

Was ist noch passiert in dieser Nacht? Einmal kam ich, zufällig in Front laufend, in einem Ort um eine Häuserecke und stand unversehens den drei Dorf-Gangstern gegenüber. Mit finsteren Minen und gekleidet wie die wandelnden Klischees von Jugendkriminalität standen sie plötzlich gut zehn Schritte vor mir im Schatten außerhalb des Lichts der Straßenlaternen. Im ersten Moment glaube ich in ihren Gesichtern und Körperhaltung eine unverhohlene Drohung zu sehen, in Worten gekleidet etwa: „Hallo Opfer!“. Als dann unmittelbar hinter mir der Rest der Gruppe um die Kurve kommt, lauter top trainierte Sportler im Laufschritt mit hellen Sternlampen, kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Ich bin zwar kein Feigling, könnte mich im Notfall wahrscheinlich selber wehren und sicher weit schneller laufen als die Drei, aber jetzt nicht allein zu sein fühlt sich ziemlich gut an.

Das Wetter war die ganze Nacht super: mondloser Sternenhimmel, trocken und weder zu warm noch zu kühl. Irgendwann kam dann eine schöne Dämmerung und die Sterne verblassten. Als ich das hellgraue Ende der Nacht gesehen habe, habe ich vor Freude gleich meine Stirnlampe in den Rucksack gepackt. Nicht ganz die beste Idee, denn im gleich darauf folgenden waldigen Tal war es noch stockfinster. Da war noch mal volle Konzentration gefragt, denn anscheinend waren noch andere Stirnlampen in den Rucksäcken verschwunden. Ein paar Mal höre ich Stolpern bzw. sogar Fluchen, aber so richtig derb gefallen ist glaube ich keiner.

In der Morgendämmerung sehe ich endlich die ganzen Brennesseln die mir die ganze Nacht um die Beine geschlagen sind. Allerdings wird das Brennen anscheinend nur bis zu einem gewißen Punkt schlimmer und bleibt danach konstant. So macht es mir jetzt tatsächlich nichts mehr aus und ich laufe einfach durch. An einer besonders „vernesselten“ Stelle höre ich einzelne kritische Kommentare und vor mir dreht sich Markus um und ruft: „Hätte ich gewusst, was Ihr für Kleidträger seid hätte ich die Strecke vorher gemäht!“ Breites Grinsen auf allen Gesichtern verdrängt den Gedanken an das Prickeln an den Beinen.

Irgendwann sind wir dann wieder auf dem Hof von Markus. Und wie vorher angekündigt, gibt es jetzt die versprochene Grillpart mit Würstchen und Brötchen und Kuchen und Kaffee und einer Menge anderer Leckerein bis zu denen ich mich nicht mehr durchgefressen habe, weil ich dann doch nach hause wollte.

Also jetzt noch mal das Wichtigste in der Zusammenfassung:

1. DANKE an Markus, Andreas, die betroffenen und beteiligten Familien, und alle die zu diesem super Event beigetragen haben.

2. Die Stecke ist wohl so um die 62km lang und hat etwa 1700hm und ist überwiegend gut beschildert. Allerdings nicht so gut, daß ich mir zutrauen würde, sie ohne ortskundigen Führer selber zu finden.