2003 Helfer beim Köln-Marathon

  

  

   geschrieben Herbst 2003

Wie wird man Helfer?
Nachdem ich den Köln-Marathon in den Jahren 1998 und 2001 selber gelaufen bin wollte ich dieses Jahr mal als Helfer dabei sein. Ich bin also im August mal über die Website vom Köln-Marathon gesurft und habe mein Angebot einfach an die dort angegebene E-Mail-Adresse geschickt. Ein paar Tage später kam dann als Antwort, wann ich mich wo melden sollte. Das war schon mal unkompliziert.

Meine Aufgabe
Am Sonntag morgen stehe ich also ein paar Minuten vor der vereinbarten Zeit, an der bezeichneten Straßenkreuzung und schließe mich der Gruppe Wartender an: Äh, tschuldigung, Seid Ihr auch Helfer?.

Mein Teamleiter Holger erscheint pünktlich und verteilt T-Shirts, Regenjacken und Aufgaben. Ich ziehe die signalrote Regenjacke an und fahre 1,5km zu meiner Position. Da soll ich die Einfahrt einer kleinen Seitenstraße sperren. Da der Lauf erst in zwei Stunden startet ist erst mal Warten angesagt, ich hole mir also am Kiosk einen Kaffee und eine Zeitung, setzte mich auf mein Motorrad und lese in Ruhe.

Gegen Zehn kommt Holger dann vorbei und wir ziehen zusammen die am Rand bereitstehende rot-weiße Absperrung neben mein Motorrad auf die Kreuzung. Bald darauf sammeln sich auch schon die ersten Zuschauer, grade rechtzeitig, um die Spitze der Skater vorbeirauschen zu sehen. Fast genauso schnell kommt der erste Hand-biker angeflitzt.

Ein Autofahrer will auf die Strecke
Da sehe ich gegenüber jemand zu seinem geparkten Auto gehen und einsteigen. Ich traue meinen Augen kaum und gehe hin, um ihn aufzuklären. Nach ein paar freundlichen Worten zeigt der Mann sich völlig uneinsichtig, er muß jetzt hier lang und der Marathon ist ihm sch... egal.

Ich bin mit der Situation gar nicht glücklich, weil ich ehrlich gesagt gar nicht genau weiß, was ich machen soll. Rote Jacke hin oder her, aber ich bin doch kein Polizist. Auf der anderen Seite zischen jetzt immer mehr Skater vorbei, ich kann ihn also auf keinen Fall auf die Strecke lassen, viel zu gefährlich. Also stelle ich mich einfach hinter sein Auto, damit er nicht abfahren kann, in der Hoffnung ,daß er mich wohl nicht umfahren wird. Weit gefehlt, der Verrückte setzt zurück und mir dabei gegen die Beine. In dem Moment kommt, genau am Straßenrand entlang, auch noch einer der Rollstuhlfahrer an, den der Mann unmöglich sehen kann. Ich haue also mit der flachen Hand auf seine Heckscheibe und im letzten Moment bleibt der Golf stehen, so daß der Rolli ausweichen kann. Jetzt legt dieser @**##§$_ den ersten Gang ein und fährt vorwärts über den Bürgersteig, durch die Zuschauer, bis zur nächsten Querstraße und biegt da ab. So was von besch.

  

Das Kölner Publikum
Die Zuschauer sind genauso erschrocken wie ich und ein paar geben mir ihre Visitenkarten und bieten sich als Zeugen an. Gut so.

Außerdem bekomme ich von den Anwohnern Kuchen und Kaffee gebracht, zusammen mit dem Hinweis, daß der Fahrer nicht von hier und keiner von ihrem Viertel sei.

Da das Wetter immer besser wird, vergesse ich den Vorfall bald und konzentriere mich auf's Anfeuern der letzten Skater, die mit gequälten Gesichtern vor dem Besenbus her fahren. Da die Vornamen auf den Startnummern stehen, kann man die einzelnen Kämpfer mit Namen begrüßen.

Dann herrscht erst mal eine halbe Stunde Ruhe, bis die ersten Läufer kommen. Wahnsinn, was die für ein Tempo Laufen.

Ich stehe hier bei Km 17 und das Feld ist zwar schon so weit auseinander gezogen, daß die Kette der Läufer anderthalb Stunden lang nicht mehr abreißt, aber trotzdem noch dicht genug, um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie viele Marathonis hier heute laufen.

Ich gestatte, daß mein Motorrad zum Plakat-Ständer umfunktioniert wird und unterhalte mich mit den Umstehenden. Tolle Atmosphäre, ich LIEBE diese Stadt!!
Aus den geöffneten Fenstern schallt Karnevals-Musik herunter und die meisten Zuschauer bleiben bis zum aller letzten Läufer und jubeln um so mehr, je später es wird.

Nach dem Besenbus, der auch noch begrüßt wird, kommt die Reinigung und dann die Polizei, die mich bittet, die Kreuzung wieder freizugeben.

Als Fazit:

  • die Kölner sind super (der verrückte Autofahrer hatte kein K-Kennzeichen;-)
  • Ohne Helfer kein Marathon, also liebeR LeserIn => Tu was für Deinen Sport