2005 Der Troisdorfer 6h-Lauf

  

  

   geschrieben November 2005

Anfahrt
Wenn Läufe nicht all zu weit weg stattfinden, ist das eine gute Sache. Wenn man zu nah dran wohnt birgt das aber eine Gefahr: zu knappes Timing! Ich konnte bis 8:00 schlafen und bin in Ruhe mit der Familie aufgestanden. Dann habe ich mir noch von der Website die Wegbeschreibung ausgedruckt und bin losgefahren. Genau 15 Minuten vor dem Start habe ich dann meine Unterlagen abgeholt und bin eiligst zur Umkleide marschiert. Hektisches Umziehen und raus: zwei Minuten vor dem Start endlich im Stadion: uff.

Zum Start gibts nicht nur einen Startschuss, nein der Starter feuert gleich das ganze Magazin leer.

Mein erster Stundenlauf, wie wird es mir ergehen? Eine Runde ist schnell vorbei, es geht mehr oder weniger im Uhrzeigersinn um das Aggerstadion rum, mal auf einem festen Feldweg, mal durch ein ruhiges Wohngebiet, genau 2,5 Kilometer weit. Jeweils beim Einlaufen ins Stadion geht es durch das Verpflegungs-Zelt und dann über die Zeitnahme-Matten.

Ich fand es sehr schwierig, mein Tempo zu finden, weil neben den (überwiegend schnelleren) Einzel-Läufern auch etliche Staffeln am Start waren. Ich bin es zwar gewohnt öfter mal überholt zu werden, aber bei diesem Lauf war das schon recht ernüchternd, so stehen gelassen zu werden. Der kalte November-Niesel-Regen hat meine Laune auch nicht eben verbessert und der Röntgenlauf vor zwei Wochen stecke mir wohl auch noch in den Knochen. Nach etwas über drei Stunden war bei mir erst mal die Luft raus, ich fühlte mich völlig platt, müde und erschöpft. Einfach ausgepowert saß ich eine Weile in der Umkleide, und habe über einen DNF nach gedacht. Aufgeben. Nach hause fahren, ins Bett gehen und einfach nur noch Heulen.

Ich habe mir dann erst mal andere Schuh angezogen. Meine alten Latschen vom Rheintal-Ultra, die inzwischen genauso wenig Profil wie Dämpfung haben, die als Treter aber immer noch bequem sind. Dann bin ich wieder raus auf die Strecke gegangen. Ich weiß eigentlich nicht mal wieso. Es war keine Freude am Laufen. Ich wollte auch keine Ziele mehr erreichen, die ursprünglich geplanten 50 Kilometer würde ich vermutlich ohnehin nicht mehr schaffen. Ich glaube es war so was wie Pflichtgefühl oder einfach Es tun müssen, aber wirklich wissen tue ich es nicht. Ich bin einfach raus gegangen und habe statt zu hause auf manchen folgenden Runden still geweint.
 

 

  

Langsam, ich kam mir so langsam vor. Viele nette Bekannte, wie zum Beispiel Jürgen und Elisabeth waren da, die sich mit mir unterhalten haben, bis ich sie ziehen lassen musste. Die Verpflegung war bestens: ich habe in jeder Runde einen kleinen Happen gegessen und einen Becher Tee, Iso oder Wasser getrunken, alles immer perfekt lauwarm. Sogar der Regen hörte irgendwann auf, aber ich war so müde. Nach etwas über vier Stunden habe ich sogar Gehpausen machen müssen, weil es einfach nicht mehr lief. Besonders schwer fand ich, dass ich keine Ahnung hatte, wie viele Runden ich nun wohl schon gelaufen bin. Außerdem habe ich eine große Uhr im Stadion vermisst, die mir die aktuelle Laufzeit anzeigt. Aber es ging auch so immer weiter, irgendwie.

So etwa bei 4:30 h kam dann Markus als Coach und Besucher an die Strecke und hat mir wertvolle Unterstützung gegeben. Nicht nur weil er zwei Runden mit gelaufen ist, sondern vor allem, weil er mir einen Blick auf die, für die Läufer nicht einsehbaren, Zwischenstände geworfen hat. Der Marathon würde gleich voll sein und auch die 50 Kilometer schienen nicht mehr unmöglich. Neue Hoffnung keimte in mir auf.

Und tatsächlich, nach 5:51 glaubte ich es geschafft zu haben, wenn ich die Zwischenstände richtig verstanden, und die darauf folgenden Runden richtig gezählt hatte.

Ich bin dann gleich duschen gegangen, oh weia war das eine Quälerei. Ich hätte auch noch die letzten Minuten weiter laufen können und mir noch einen Km Restmeter gönnen können (hätte mich fünf Plätze weiter nach vorne gebracht), aber ich wollte nicht in den nassen Sachen auf der kalten Strecke warten, um mich nicht zu erkälten. Selbst in den Umkleiden, die ich am Morgen noch als viel zu warm empfunden habe, habe ich heftig gefroren. Draußen wäre es noch viel schlimmer gewesen. Also frisch gestylt in die nahegelegene Sporthalle geschlichen; mehr war nicht mehr drin; und noch einen Kaffee und ein Käsebrötchen verdrückt. Bis zur Siegerehrung habe ich es aber nicht mehr ausgehalten, ich wollte einfach nur noch nach hause.

Zu hause habe ich dann gleich mal den Rechner angeschmissen, um zu sehen, wie viele Km ich denn wohl tatsächlich geschafft habe. Oh Freude, es sind tatsächlich genau 50!

Fazit: der Troisdorfer 6h-Lauf war für mich ein sehr hartes Training und sehr gut organisiert. Stundenläufe scheinen aber nicht dass zu sein, was mir so richtig liegt.