2017 Königsforst-Marathon

Geschrieben März 2017

Der Orthopäde hat als Folge der TorTourdeRuhr ganz klar gesagt: nicht mehr Laufen. Viele Jahre lang, wahrscheinlich nie mehr. Aber ich bin muss laufen. Ein Flo, der nicht läuft, ist kein Flo.
Also bin ich voller Selbstzweifel, hin und her gerissen zwischen Vernunft und Sucht, nach Bensberg zum Start vom Königsforst-Marathon gefahren. Leider war niemand an der Stelle, wo all die Jahre der Start war. Ich hätte die Ausschreibung lesen sollen. Handy raus. Da steht der Start wäre in einer Straße namens Kaule. Prompt bringt mein Navi mich zur Straße "Auf der Kaule" die zwar auch in Bergisch-Gladbach ist, aber am völlig falschen Ende. Wieder zurück, nächste Straße Kaule. Kein Parkplatz, alles Scheiße, ich will nach hause.
Angehalten und Nachgedacht: was will ich? Aufgeben oder Laufen? Will ich wirklich laufen? Die Antwort liegt klar in mir: ich will laufen. Und der Zauber wirkt: ich finde sofort eine kleine Seitenstraße Richtung Start und auf Anhieb einen Parkplatz. Die Nachmeldung klappt prima und ich stehe am Start: geht doch.

Loslaufen durch den Ort und dann in den Königsforst. Da ist sie, die Welt, die ich so liebe. Der Geruch von Wald und Läuferschweiß. Diese Mischung aus Vorfreude und Vorsicht. Es geht los, es läuft, ich bin endlich wieder zuhause.
Die Kilometer laufen wie von selber, es tut nichts weh, es ist herrlich. KM 10 erreiche ich nach 55Minuten. Allerdings habe ich dann in dem Moment auch meine Gesamt-Lauf-Kilometer der letzten drei Monate auf 10 geschraubt. Ich bin also zu schnell, werde nach hinten raus bitter leiden müssen. Ich habe mich ehe nur für den Halbmarathon angemeldet (ich bin blöd, aber nicht so blöd). Ich nehme also ein bisschen Druck von den Sohlen und laufe etwas leichter. Schön, so entspannt traben, ohne Druck. Ich mach ein paar Fotos und bitte Zuschauer, mich zu knipsen. So viel Zeit muss sein.

Ein Baumstumpf am Weg

Halbmarathon ist ja so schon schnell vorbei! Kaum bin ich warm, ist die Hälfte geschafft gleich darauf geht es in's letzte Drittel. Jetzt bin ich schon etwas erschöpft. So ohne Training ist wohl doch nicht so leicht.
Auf der anderen Seite: Man soll ja nur so viel trainieren, dass man sich nicht im Training verletzt oder überlastet. Hab ich also richtig gemacht.
Ruck zuck sind wir wieder in Bensberg. Die letzten ein oder zwei Kilometer geht es sanft bergan, eine gute Gelegenheit die letzten Energie-Reserven zu verbrennen. Als ich durch den Bogen laufe, zeigt die Uhr 2:00:52. Aber heute gibt es echte Netto-Zeit. Und jetzt sitze ich am Rechner und drücke die ganze Zeit auf die "Neu Laden" Taste. Unter zwei? Unter zwei?

Fazit:
Hier im Königsforst bin ich immer besonders mutig (unvernünftig, dumm). Aber nach 2008, wo ich auf Biegen und Brechen meine PB wollte und 2011, wo nach 18Monaten ohne Training Marathon gelaufen bin und 2014 wo ich unbedingt den Kollegen jagen musste, war das heute doch gar nicht so unvernünftig. Irgendwie.
 

Nachtrag: 01:59:11 ich überrasche mich doch immer wieder selber!