2017 - Bergischer Wupperlauf

Geschrieben Januar 2018, glaufen Dezember 2017

Morgens, halb neun in Deutschland: Oliver Witzke, my Friend Oliver, hat zum Bergischen Wupperlauf eingeladen. Es soll ein gemütlicher Gruppen-Lauf über die Marathon-Distanz werden. Die Wettervorhersage hat nach den kalten, schneereichen Tagen einen Umschwung auf lauwarme 12°C angekündigt, aber als ich am Schwimmbad in Solingen ankomme: Schnee! Ja, nur noch Reste, aber mein Thermometer sagt: 2°C und ich rüste um. Den Laufrucksack nehme ich mit und ziehe alles an, was ich dabei habe. Brr.

Wir starten pünktlich im kalten trüben Morgenlicht: Dezember halt. Dieser Jahres-End-Gruppen-Marathon ist für mich ein fester Bestandteil meines Jahres geworden. Der Termin, um das Laufjahr ab zu schließen, Rückblick zu halten, alte Laufbekanntschaften wieder zu treffen. Oft war ich gedrückter Stimmung, habe mich alt und müde gefühlt, so wie das Jahr, was nach hoffnungsvollem Frühling, sonnigem Sommer und kräftigem Herbst jetzt einschläft. 

Dieses Jahr ist für mich, dank Max Manroth, ganz anders verlaufen. Am 5. Mai hat er mein Knie geheilt und seit dem erlebe ich eine konstante Steigerung. Es geht Bergauf! Ich fühle mich großartig! Erst letztes Wochenende war ich mit Tobi in Belgien und habe Blegny gerockt; mein erster Ultra seit der TorTourdeRuhr. Yeaha Baby! Ich bin jung und stark und fühle mich (sagte ich das schon?) großartig.

Wir traben los: Trail, Schlamm, Matsch, kleine Pfade durch das Bergische Land. Vieles davon kenne ich, vieles davon gehört zu meinem eigenen Laufrevier. Bald kommt der erste VP an der Müngstner Brücke. Ich esse nichts, trinke wenig und bin zufrieden. Ich habe das sichere Gefühl in mir, dass ich das hier total im Griff habe. Es gibt keine Zweifel in mir. Es ist nicht wie Autofahren, wo du nie genau weißt, ob dein Motor nicht doch gleich irgendeinen Fehler hat, oder ob Du über einen Nagel fährst. Statt dessen bin ich genau in meinem Element. Lauf-Routine. Gute, sichere, angenehme Laufroutine. Bodenhaftung.

Zweiter VP am Campingplatz in Glüder. Ich schnappe mir ein paar Kleinigkeiten und zwei Becher und setze mich auf die Ladefläche eines Lasters. Uff, es wird warm. Ich ziehe die Jacke aus und packe sie in den Rucksack. Ab hier kommt das schönste Stück des Tages, der Lucasweg; ein Traum-Trail hoch über der Wupper. Und schon sind wir wieder in Glüder. Zack. Das läuft heute. Vor allem der Schweiß. Ich erinnere mich aus 2015 an eine Stelle, wir kommen ein kaltes, waldiges, schattiges Tal hoch und oben über eine kahle Kuppe, wo der Wind pfiff. Auch heuer ist es dort oben windig, aber warm! Als würde ich gegen einen Föhn laufen. Es sind zehn grad wärmer als am Start und ich habe mein Langarm auch schon im Rucksack. Klima-Wahnsinn: ende Dezember und ich laufe im T-Shirt.

Die letzten Km sind "frei gegeben", das bedeutet, dass die Strecke markiert ist und alle ihr eigenes Tempo laufen können. Vor zwei Jahren bin ich hier davon gestürmt und war als erster unter den Duschen. Heute bleibe ich im Feld und genieße den Tag. Ich verzichte auf die Duschen und steige gleich in's Auto.

Fazit: der Gesunde hat 1000 Wünsche, der Kranke nur einen. Schön, gesund zu sein. Danke Max, Danke Oliver.